Februar 2022

Der Orgelbauer Lukas Degler berichtet im Gespräch mit Pfarrer Michael Küstermann über den aktuellen Stand des Orgelbaus

 

Küstermann: Worin besteht Ihre Aufgabe, Herr Degler, im Rahmen des Orgelbaus in St. Reinoldi?

 

Küstermann: Sind Ihre Arbeiten als Orgelbauer bereits abgeschlossen?

Degler:  Die klanglichen Arbeiten befinden sich in der Endphase, kleinere Korrekturen sowie Stimmarbeiten sind noch zu machen. Außerdem müssen abschließend einige technische Feinheiten – beispielsweise die Regulierung der Spieltraktur – vorgenommen werden.

 

Küstermann: Kann man sagen, dass Sie eine Orgel speziell für St. Reinoldi gebaut haben? Wie fügt sich diese Orgel auch klanglich in die Architektur der Kirche ein?

Degler: Das trifft absolut zu: Diese Orgel ist, wie eigentlich jedes Instrument, ein Unikat. Die Akustik eines jeden Raumes ist unterschiedlich in Nachhall, Absorption und Reflexion, sodass man jede Pfeife individuell einpassen muss. Bevor jedoch mit der Intonation begonnen werden kann, entsteht während eines längeren Prozesses ein musikalisches Konzept, dessen Ausgangspunkt eine künstlerische Vision ist. 

Dieses Konzept umfasst neben der Anlage im Orgelinneren (Trakturführung, Windanlage, Pfeifenaufstellung, Gehäuse, Prospektgestaltung usw.) auch die Mensuren, Übernahme von altem Pfeifenmaterial der Walcker-Orgel von 1958 und deren Verbindung mit dem neuen Pfeifenwerk. Die Verzahnung von Klängen der Reformbewegung von 1909, der orgelbewegten Tendenz der 1950er Jahre und dem Schritt ins 21. Jhd. war nicht immer leicht zu erreichen. Daher kann diese Orgelanlage als individuelles Kunstwerk für St. Reinoldi betrachtet werden.

 

Küstermann: Was ist das Besondere dieser mehrteiligen Orgelanlage – gegenüber anderen Orgeln, die Sie kennen bzw. die Sie bereits gebaut haben?

Degler:  Eine Besonderheit, bei der sicher auch die Akustik des Kirchenraumes eine entscheidende Rolle gespielt hat, ist die klangliche Einheit von Hauptorgel und Chororgel. An einigen Punkten im Raum kann wirklich nicht mehr unterschieden werden, aus welcher Richtung der Klang kommt; man wird von Tönen umgeben.

Obwohl die Konzeption beider Orgeln durchaus als universell im positiven Sinn bezeichnet werden kann, sind Klangfärbungen klassischer oder symphonischer Prägung überzeugend, mitunter fast schon historisch anmutend. 

Die sphärisch-schwebenden Klänge eines großen Orchesters verbinden sich bei entsprechender Registrierung bruchlos mit der Strahlkraft und Würze des barocken Plenums. Ich denke hier im Speziellen an das Terzplenum des Positivs, von uns liebevoll „Maihingen-Plenum“ genannt, oder an den großen, festlichen Zungensound französischer Orgeln. Mit wahlweise lieblichen oder schärferen Streichern, poetischen Flöten, mystischen Pastellfarben und farbigen Aliquoten lassen sich ansprechende Tongemälde erschaffen. 

Besonders die Prinzipale sind hier etwas ansprachebetonter intoniert, was ein sehr klares Musizieren polyphoner Strukturen zulässt. Da die Register bewusst nicht glattgebügelt, sondern lebendig gelassen wurden, verschmelzen die Stimmen auf sehr natürliche und freie Weise. Dieses Gefühl wird durch die ungleichstufige Temperierung und den belebt-atmenden Wind noch verstärkt wahrgenommen. 

 

Küstermann: Die Besonderheit der neuen Orgel in St. Reinoldi besteht auch darin, dass ein zweiter Spieltisch in der Orgel, auf der Orgelempore, vorhanden ist. Warum zwei Spieltische?

Degler: Die Entscheidung zugunsten einer Anlage mit zwei Spieltischen wurde auch aus akustischen Gründen gewählt. In der Mitte des Raumes sind für das Gehör beide Orgeln in etwa gleich präsent, während dies am oberen Spieltisch nicht der Fall ist. Eine feinnervige und direkte Artikulation ist z. B. bei der Orgelmusik des Barocks wünschenswert, weswegen der obere Spieltisch, neben der üblichen mechanischen Tontraktur, zusätzlich mit einer mechanischen Manualkoppel ausgestattet wurde. Am unteren, fahrbaren Spieltisch geschieht diese Übertragung von der Taste zum Ventil auf elektrischem Weg. Durch die Beweglichkeit des unteren Spieltisches werden die Möglichkeiten für Chorkonzerte oder Kammermusik enorm bereichert, da sich die*der Spieler*in inmitten des Geschehens platzieren kann und die Spielposition flexibel ist. 

Küstermann: Können Sie kurz erläutern, worin der Unterschied zwischen einer elektronischen und einer mechanischen Traktur besteht?

Degler:  Die Verbindung der Taste zum Tonventil wird bei der Mechanik durch dünne Holzleisten, welche Abstrakten genannt werden, hergestellt. Die elektrische Traktur nimmt über einen Tastenkontakt den Druck des Fingers auf und leitet ihn als elektrischen Impuls an einen Tonmagneten weiter, der das Ventil in der Windlade öffnet. Die Spielart einer mechanischen Traktur wird von vielen Organist*innen häufig als angenehmer empfunden. Das liegt vor allem daran, dass ein direkter Kontakt zwischen Finger und Ventil gefühlt werden kann. Der Öffnungsmoment des Ventils, ein entscheidender Faktor beim Einschwingvorgang einer Orgelpfeife, ist so kontrollier- und erlebbar. Besonders bei Barockmusik, aber auch später in der Epoche der Romantik und der Empfindsamkeit kann dies sehr schöne Nuancen zum Ausdruck bringen. 

Küstermann: In der Orgelanlage ist eine Software der Firma Sinua eingebaut. Welche musikalischen Möglichkeiten eröffnen sich damit?

Degler: Die Sinua-Technik zeichnet sich durch eine besonders vielfältige Ausnutzung der heute möglichen Technik aus. Alle Register, die auf einer Einzeltonlade stehen (die Chororgel steht z. B. komplett auf Einzelton), sind frei programmierbar und können dadurch jedem Manual zugeordnet werden. Es steht eine vielfältige, beinahe unerschöpfliche Koppelanlage sowie eine Transponiereinrichtung zur Verfügung. Daneben können für die Gestaltung von experimenteller und neuartiger Musik pulsierende Tonfolgen, Endlosschleifen, Winddrosseln und perkussive Elemente verwendet werden.

 

Küstermann: Sie sind nun seit über zwei Jahren in der Reinoldikirche tätig, haben zwei Orgeln für diesen Kirchenraum gebaut. Was bedeutet diese Zeit für Sie persönlich – und auch, dass der Orgelbau nun abgeschlossen ist?

Degler: Ich habe diese Zeit sehr genossen, sie war geprägt von schönen und kreativen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen. Mit jedem Register habe ich neue Ansätze und Inspirationen bekommen, jeden Tag dazugelernt und mich so weiterentwickelt – das war ein faszinierender Prozess. 

An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich für das mir entgegengebrachte Vertrauen bedanken. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass ich in diesen jungen Jahren ein solch gewaltiges Projekt mitgestalten durfte. Das Teamwork der Kolleg*innen unserer Firma sowie die Zusammenarbeit mit den anderen Gewerken war immer konstruktiv und von gegenseitigem Respekt gekennzeichnet. Kurz vor der Vollendung bin ich einerseits froh, dass die Orgeleinweihung bald erfolgen kann. Andererseits werde ich die besondere Atmosphäre des Raumes, vor allem aber die beiden Orgeln sehr vermissen, die beide mit viel Herzblut und liebevollem Gestaltungswillen erschaffen worden sind. 

 

 Biografische Angaben zu Lukas Degler: Geboren am 26. Juli 1997 — Ausbildung zum Orgelbauer bei Werkstätte für Orgelbau Mühleisen — Vorbereitung auf die Meisterschule in Ludwigsburg — Orgel- und Klavierunterricht im Alter von 16 bis 20 Jahren — Entdeckungsreisen zu historischen Orgeln in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz — Beschäftigung mit der Intonation sowie der Mensurationspraxis historischer Instrumente, Kennenlernen verschiedener Windsysteme und Temperierungen —| Gedankenaustausch und Freundschaftspflege mit Kolleg*innen der Orgelszene —|Genuss von großen Rotweinen aus Bordeaux oder der Toskana 

 

 


Fotos: © 2022 Jan Heinze


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Juli 2021

Der Bau der neuen Hauptorgel in St. Reinoldi schreitet kontinuierlich voran. Das große Gerüst vor der Orgelbaustelle konnte abgebaut werden, sodass der Blick nun frei ist auf das neue Orgelgehäuse. Die Orgelbauer Thomas Beier, Thomas Barthold und Christof Lehnert von der Werkstatt für Orgelbau Mühleisen berichten im Gespräch mit Pfarrer Michael Küstermann über den derzeitigen Stand der Arbeiten.

 

Küstermann: Seit Monaten arbeiten Sie hier in der Reinoldikirche nun schon an dem Aufbau der Hauptorgel. Ist dieser Orgelbau in St. Reinoldi für Sie ungewöhnlich oder im Grunde Routine?

Beier: Der Bau einer neuen Orgel ist nie Routine, denn jeder Orgelbau hat eigene Herausforderungen, die sich von den vorigen Orgelbauten unterscheiden. Eine Orgel in dieser Größenordnung – mit ca. 4000 Orgelpfeifen – bauen wir eher selten. Jedes Instrument hat aber etwas Eigenes, Schönes. Das macht die Arbeit für uns so interessant. Orgeln werden seit Jahrhunderten gebaut und dennoch ist jeder Orgelbau auch für uns immer etwas Neues. Ich freue mich immer wieder auf die neue Herausforderung, obwohl ich diese Arbeit schon seit Jahrzehnten mache. Wie schön ist es, in solchen Räumen wie der Reinoldikirche zu arbeiten und dann noch solch wunderbare Instrumente bauen zu können.

Lehnert: Jede Orgel ist anders konstruiert. Es ist die Frage, wie wir welche Bauteile einbauen, weil wir nicht immer den gleichen Platz zur Verfügung haben. Wird die Orgel auf einer offenen Empore gebaut oder an einer anderen Stelle einer Kirche? Manchmal ist die Grundfläche sehr groß. Hier in der Reinoldikirche ist sie relativ klein, dafür hat diese Orgel mehrere Ebenen. Eine Besonderheit in St. Reinoldi ist, dass die Pedaltürme nicht mit auf der Empore stehen, sondern rechts und links vom Turmbogen frei an der Wand hängend schweben.

Barthold: Ungewöhnlich für uns ist auch die Zusammenarbeit mit einem Stahlbauer. Die Pedaltürme hängen in einem Stahlgerüst. Auch das Orgelgehäuse in der Mitte steht in einer Stahlkonstruktion, die dem gesamten etwa 9 Meter in die Höhe ragenden Gehäuse die notwendige Stabilität verleiht.


Küstermann: Wenn ich vom Mittelschiff auf die Orgel schaue, dann scheint das Gehäuse bereits fertiggestellt zu sein. Auch die ersten großen Holzpfeifen wurden an der Seite zur Turmhalle bereits eingebaut.

Beier: Wir haben zuerst das gesamte Orgelgehäuse aus Holz hochgebaut bis in die Spitze, da das Gehäuse seinen finalen Anstrich bekommen sollte. Wenn wir zwischendurch die Pfeifen schon eingebaut hätten, wäre der Anstrich in dieser Form nicht möglich gewesen. Die Gehäuseteile im Untergehäuse sind eigentlich nur eine Verkleidung, haben keine tragende Funktion. Danach wurden in den letzten beiden Wochen die großen Holzpfeifen hochgezogen.

Lehnert: Bevor die Gehäuseteile auf der ersten Ebene montiert werden konnten, musste eine Windladenkonstruktion auf die Strahlträger gesetzt werden. Auf diesen Windladen stehen später die Orgelpfeifen und werden durch Auslösen von Ventilen zum Klingen gebracht. Größere Pfeifen stehen in einem sogenannten Raster und müssen zusätzlich am Orgelgehäuse festgeschraubt werden, um sie stabil zu halten.

Barthold: Die Orgel in der Reinoldikirche hat drei Ebenen. Auf der Grundebene befindet sich die gesamte Technik und die Elektronik. Auf der ersten Ebene befinden sich die Windladen vom Hauptwerk und Solowerk sowie das Schwellwerk mit seinen Holzjalousien, durch das die Lautstärke reguliert werden kann. Auf der zweiten Ebene befinden sich das schwellbare Positiv und die Horizontaltrompeten. Das Orgelgebläse, die Windbälge und die große Windmaschine mit den Motoren sind von Anfang an schon mit eingebaut worden.


Küstermann: In dem Gehäuse sind ja jetzt schon unzählige Einzelteile zu sehen. Haben Sie jetzt eigentlich noch den Überblick?

Barthold: Da eine geringe Grundfläche zur Verfügung steht, müssen wir schon genau schauen, ob alle die Teile, die an dieser Stelle verbaut werden müssen, auch verbaut wurden – damit wir uns nicht etwas verbauen. Je mehr wir jetzt einbauen, je enger wird es. Grundsätzlich hilft natürlich die jahrzehntelange Erfahrung.

Küstermann: Sie bearbeiten viele Teile ja auch direkt vor Ort

Beier: Bei dem Bau eines solch komplexen Instrumentes ist es nicht möglich, das Ganze zu hundert Prozent im Vorhinein zu konstruieren. Wir haben zwar die CAD-Konstruktionspläne vorliegen, aber es muss immer wieder auch gehobelt und etwas nachgebohrt werden. Da ist jahrzehntelange Erfahrung im Detail entscheidend. Es ist noch viel traditionelle Handwerkskunst gefordert. Wir müssen mit Hobel, Stecheisen und Handsäge immer Teile weiter bearbeiten.

Barthold: Bestimmte Orgelteile sind nicht endgültig vorgefertigt und müssen vor Ort angepasst werden. Der größte Teil wird hier vor Ort auf Maß zusammengebaut. Materialien haben Toleranzen. Bei einer Höhe des Orgelgehäuses von ca. 9 Metern haben Sie immer auch Toleranzen in der Herstellung. Auch der Metallbauer hat seine Toleranzen eingeplant. Es ist dann unsere Aufgabe, mit diesen Vorgaben umzugehen und alle Teile so zusammenzuführen, dass sie an dem jeweiligen Ort auf den Millimeter genau passen. Kleinste Abweichungen im unteren Bereich können nach oben hin große Wirkungen erzeugen.


Küstermann: Es werden auch zahlreiche Orgelpfeifen der vorigen Orgel eingebaut …

Lehnert: Ja, wir haben alle Pfeifen der vorigen Orgel geprüft, ob sie in diesem neuen Instrument noch spielbar sind. Die Pfeifen, die in der neuen Orgel wiederverwendbar sind, lagern hier im Raum und werden nun Schritt für Schritt zusammen mit den neuen Orgelpfeifen eingebaut. Im Arbeitsprozess gibt es aber auch immer wieder neue Erkenntnisse. Wir dachten zum Beispiel, dass die zwölf Töne der Posaune noch wiederverwendbar sind. Bei ausführlichen Nachmessungen und Begutachtungen der Intonateure in unserer Firma hat sich aber herausgestellt, dass diese Pfeifen nun doch erneuert werden müssen.


Küstermann: Anfang August werden die Prospektpfeifen geliefert. Wie geht es in den nächsten Wochen weiter?                                                                                               

Beier: In den letzten Tagen haben wir das Gehäuse der Pedaltürme fertiggestellt und in den Stahlrahmen eingefasst. Im Hintergrund arbeiten wir in dieser Woche an den Windladen, um zu hören, ob es noch undichte Stellen gibt. Ab 26. Juli arbeiten wir weiter an der Mechanik und Elektronik. Der Einbau der Prospektpfeifen ist nun der nächste sichtbare Schritt.

 

Der Einbau der großen Prospektpfeifen ist der nächste das Bild der Orgel prägende Schritt. Anfang August werden diese Pfeifen geliefert. Sie müssen im Raum der Kirche ausgelegt und bearbeitet werden. Daher kann die Kirche vom 4.–21. August nur zu den Gottesdiensten geöffnet werden. Wir bitten um Verständnis. Wenn Sie nach dem Einbau unsere Kirche besuchen, werden Sie staunen, wie diese Prospektpfeifen vor dem Orgelgehäuse und den Pedaltürmen erstrahlen.


Fotos: © 2021 Jan Heinze


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Februar 2021

Schritt für Schritt zur neuen Orgel

Die neue Hauptorgel in St. Reinoldi braucht viele Bauphasen

Ein Meilenstein für die lang ersehnte neue Orgel in der Dortmunder Stadtkirche St. Reinoldi war im vergangenen November gesetzt: die Chororgel, der kleinere von zwei Teilen der geplanten großen Orgelanlage, war im südlichen Seitenschiff der Kirche fertig installiert und intoniert, seitdem ist sie spielbereit und zeigt, welche Klangvielfalt die künftige Orgelmusik in St. Reinoldi bieten wird.

Seit Jahresbeginn geht jetzt der Bau an der Hauptorgel weiter, die an der Westseite unterhalb des Turms entstehen soll. Wer die Kirche betritt, dem fällt das große Staubschutzgerüst ins Auge, das Teile des hinteren Kirchenschiffes einnimmt. Dahinter werden in den kommenden Monaten die Arbeiten mit Hochdruck weitergehen. Die Kirche soll dennoch für Besucherinnen und Besucher offenbleiben, wenn auch mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Und auch Gottesdienste soll es in St. Reinoldi weiterhin geben, wenn der Corona-Schutz dies zulässt.

Die nächsten Aufgaben: Umfangreiche Bohrungen

Einige Bauphasen der kommenden Zeit lassen einen Besuch der Kirche allerdings kaum zu, schon gar nicht, wenn er zu Ruhe und Besinnung führen soll. Denn zu den nächsten Schritten des Orgelbaus gehören umfangreiche Bohrungen. Sie sollen eine spätere Verankerung der künftigen Pedaltürme in der Mauer gewährleisten. Die werden an den Seiten diejenigen Orgelpfeifen tragen, die vom Organisten mit den Pedalen bedient werden. Und auch für Leitungsschächte muss gebohrt werden. Darin werden künftig die elektrischen Leitungen verlaufen, die die Hauptorgel mit den Pedaltürmen verbinden. Auch in elektronischer Hinsicht wird die neue Orgelanlage auf höchstem, modernstem Niveau spielen.

Parallel wird im hinteren Bereich an neuen Verankerungen gearbeitet. Sie sollen den künftigen Treppenlauf sichern, denn die Empore, die den großen Spieltisch für die Hauptorgel tragen soll, braucht einen neuen eigenen Zugang. Schließlich muss an der Turmseite gleichzeitig etwas Beton an der Tür zum Turm herausgeschnitten werden.

Das alles, so der Plan, soll im März vollendet sein. Dann geht es an die Ausführungspläne für den Stahlbau, der letztlich die Orgel selbst in der Wand halten soll. Und auch der Boden für die Empore muss gebaut werden, ebenso deren Zugang und die Geländer. Das alles muss detailgenau vorbereitet und erstellt werden, um schließlich mit dem eigentlichen Einbau des Instruments beginnen zu können.

Hoffnung auf Weihnachten

Ende Juni schließlich, so die Hoffnung der beteiligten Gewerke, werden all die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Bis dann die Orgel erklingen kann, wird aber noch knapp ein halbes Jahr ins Land gehen. Solange nämlich wird es dauern, bis die Expert*innen der Orgelbaufirma Mühleisen die neue große Orgel intoniert haben. Die Pfeifen müssen im Kirchraum immer wieder aufeinander abgestimmt und nachjustiert werden, so dass sich die Stimmarbeiten über die Monate hinziehen.

Dann aber können sich die Dortmunderinnen und Dortmunder auf außergewöhnliche Klangerlebnisse freuen. Beide Orgeln, die Chor- und die Hauptorgel, werden dann gemeinsam gespielt werden können und sicherlich auch zahlreiche Musikbegeisterte aus anderen Regionen Deutschlands in die Reinoldikirche locken. Mit Glück und Zuversicht kann die neue Orgel zum kommenden Weihnachtsfest erklingen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die weiteren, sehr anspruchsvollen Bauphasen keine unliebsamen Überraschungen zutage bringen. Wer baut, muss auch dafür immer gewappnet sein.

Text: Wolfram Scharenberg, Ev. Kirchenkreis Dortmund

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Januar 2021

Ein klangvoller, bedeutender Moment war das Mitte November 2020, als im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes die neue Chororgel in St. Reinoldi zum ersten Mal erklang. Von zarten Klängen und einfühlsamen Registrierungen zu wuchtigen Akkorden mit glänzenden Mixturen; mit Musik von Bach, Mendelssohn und Gerard Bunk.

Die neue Chororgel hielt nicht nur, was man sich von ihr versprochen hatte – sie übertraf alle Erwartungen. Und macht Lust auf mehr. Die Chororgel ist ein Vorgeschmack dessen, was noch in diesem Jahr folgen soll: Die Fertigstellung der Hauptorgel, mit der die innovative zweiteilige Orgelanlage der Firma Mühleisen komplettiert wird. In diesen Tagen nimmt das große Projekt wieder an Fahrt auf. Gerüste wurden aufgestellt, ein übergroßer Staub- und Dreckfänger installiert, Gespräche mit den beteiligten Bauunternehmen geführt, die finalen Kosten- und Bauzeitenpläne analysiert.

Der Fortgang an der Orgelbaustelle bedeutet aber auch, dass der Kirchraum wiederum für eine längere Zeit nur eingeschränkt für Besichtigungen, Andachten und Gottesdienste offen steht. Eine herzliche Einladung, dennoch einmal einen Blick in die „offene Kirche“ zu werfen.

Von den deutschen Musikräten ist die Orgel als „Instrument des Jahres 2021“ gekürt worden. Die bauseitigen Vorbereitungen signalisieren: Auch in Dortmunds Evangelischer Hauptkirche steht das neue Jahr 2021 ganz im Zeichen der Orgel.


Fotos: © 2021 Jan Heinze